Anaphrodisiaka: wenn die Libido nachlässt

Anaphrodisiaka: wenn die Libido nachlässt

Ist eine verminderte Libido immer mit Stress, Müdigkeit oder Alltagsproblemen verbunden ... oder kann sie auch durch Dinge verursacht werden, die Sie unwissentlich zu sich nehmen? Aphrodisiaka sind allen ein Begriff. Dabei handelt es sich um Lebensmittel oder Substanzen, die das sexuelle Verlangen anregen sollen. Aber es gibt auch das Gegenteil davon: Anaphrodisiaka. Diese sind weniger bekannt und wirken manchmal unbeabsichtigt, können jedoch die Libido erheblich beeinflussen.

Häufig wird das sexuelle Verlangen als spontan und natürlich dargestellt. Dabei wird es in Wirklichkeit von zahlreichen biologischen, psychologischen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst. Für eine gut funktionierende Libido braucht es ein Gleichgewicht, das sehr empfindlich ist und von Hormonen, dem emotionalen Zustand, aber auch von Substanzen, die wir zu uns nehmen, beeinflusst wird. Bevor wir uns damit befassen, wie diese Faktoren das sexuelle Verlangen bremsen können, wollen wir uns genauer ansehen, was unter einem Anaphrodisiakum zu verstehen ist.

Was sind Anaphrodisiaka?

Ein Anaphrodisiakum ist eine Substanz oder ein Faktor, der das sexuelle Verlangen mindert. Es kann sich auf die Libido, die sexuelle Erregung oder sogar die Fähigkeit, Lust zu empfinden, auswirken.

Im Gegensatz zu einer vorübergehenden Abnahme der Libido aufgrund von Müdigkeit oder Stress wird die anaphrodisierende Wirkung durch einen äußeren Faktor hervorgerufen: Medikamente, Substanzen, Lebensmittel oder medizinische Störungen.

Es wird unterschieden zwischen:

  • Anaphrodisiaka, die erwünscht sind und gezielt in einem medizinischen oder therapeutischen Rahmen eingesetzt werden
  • Anaphrodisiaka, die unerwünscht sind, zum Beispiel die Nebenwirkungen von Medikamenten, ein übermäßiger Alkoholkonsum oder eine ungesunde Lebensweise.

Die anaphrodisierende Wirkung kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen, auch wenn die hormonellen Mechanismen unterschiedlich sind.

Welche Substanzen eine anaphrodisierende Wirkung haben

Bei folgenden Substanzen ist die abschwächende Wirkung auf die Libido bekannt.

Medikamente

Bestimmte Antidepressiva, Anxiolytika oder Hormonbehandlungen können zu einer Abnahme des sexuellen Verlangens führen. Dieses Phänomen tritt relativ häufig auf und sollte mit einem Arzt besprochen werden, wenn es zu einer Beeinträchtigung führt.

Alkohol

Alkohol in kleinen Mengen kann enthemmend wirken. Bei übermäßigem Konsum wirkt Alkohol jedoch wie ein echtes Anaphrodisiakum. Dieser führt zu einer verminderten sexuellen Erregung, Erektionsstörungen und abgeschwächten Empfindungen.

Drogen

Bestimmte Substanzen beeinträchtigen dauerhaft das Hormonsystem und die sexuelle Reaktion.

Eine unausgewogene Ernährung

Eine nährstoffarme Ernährungsweise kann in Kombination mit chronischer Müdigkeit indirekt das Verlangen verringern.

Stress und Schlafmangel

Bei Stress und Schlafmangel handelt es sich nicht um Substanzen, aber ihre physiologische Wirkung auf Cortisol und Sexualhormone kann die Libido deutlich bremsen.

Warum es zu einem freiwilligen oder unfreiwilligen Konsum von einem Anaphrodisiakum kommt

In bestimmten medizinischen Kontexten können Behandlungen eingesetzt werden, die ganz bewusst die Libido verringern. Dies kann bei bestimmten hormonellen oder psychiatrischen Erkrankungen der Fall sein.

In den meisten Fällen geschieht die Einnahme jedoch unfreiwillig. Das kann folgende Konsequenzen haben:

  • Persönlicher Frust
  • Unverständnis innerhalb der Partnerschaft
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Das Gefühl, „nicht mehr normal zu funktionieren"

Die Libido ist keine Konstante. Es ist ganz natürlich, dass sie im Laufe des Lebens Schwankungen unterliegt: hormonelle Zyklen, Schwangerschaft, Menopause, Andropause, emotionale Lebensereignisse ...

Warum es zu einem freiwilligen oder unfreiwilligen Konsum von einem Anaphrodisiakum kommt

Tatsächlich ist eine verringerte Libido nicht unbedingt ein Problem – sie kann aber auch echtes Leid hervorrufen.

Kann man etwas gegen die anaphrodisierende Wirkung tun?

Ja, in manchen Fällen schon.

Das Gespräch mit einem Arzt suchen

Wenn eine medizinische Behandlung die Libido beeinträchtigt, gibt es manchmal Alternativen oder Anpassungsmöglichkeiten.

Den eigenen Lebensstil verbessern

Erholsamer Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität wirken sich direkt auf den Hormonhaushalt aus.

Lust neu lernen

Sexuelles Verlangen basiert nicht nur auf Hormonen. Es kann durch Fantasien, erotische Spiele, Kommunikation innerhalb der Partnerschaft oder das Eröffnen neuer erotischer Möglichkeiten genährt werden.

Manchmal kann das Einbringen von neuen Ideen die erotische Dynamik wiederbeleben: Rollenspiele, gemeinsame Fantasien oder Accessoires, die Ihren Wünschen entsprechen, können dazu beitragen, Neugier und Lust neu zu wecken.

Verlangen, Libido und persönliches Gleichgewicht

Unsere Gesellschaft verbindet eine hohe Libido oft mit einer „guten sexuellen Gesundheit“. Dabei hat jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus.

In bestimmten Phasen des Lebens weniger Verlangen zu empfinden, bedeutet nicht, dass man eine Störung hat oder nicht normal ist. Wichtig ist, zu unterscheiden zwischen:

  • einer natürlichen Schwankung
  • einem Rückgang der Libido aufgrund eines klar identifizierbaren Faktors
  • einem echten Leiden, das eine Behandlung erfordert

In jedem Fall ist es wichtig, auf den eigenen Körper zu hören, den eigenen Rhythmus zu respektieren und mit Partner bzw. Partnerin offen und ehrlich zu kommunizieren.

Anaphrodisiaka sind an sich weder „gut” noch „schlecht”: Alles hängt vom Kontext und davon ab, wie man sie erlebt.

Letztendlich erinnern uns Anaphrodisiaka daran, dass die Libido weder automatisch da ist noch unveränderlich ist. Sie entwickelt sich weiter, passt sich an und kann durch zahlreiche, manchmal unerwartete Faktoren beeinflusst werden. Indem Sie sich mit diesen Mechanismen auseinandersetzen, können Sie nicht nur besser mit Schuldgefühlen wegen einer verminderten Libido umgehen, sondern auch ganz bewusst handeln, um ein Gleichgewicht wiederzufinden, das zu Ihnen passt.