Was ist Anorgasmie?

Veröffentlicht am 27. Oktober 2023 und aktualisiert am 12. Juni 2025 von Laura
Was ist Anorgasmie?
Anorgasmie ist ein Thema, das oft am Rande von Diskussionen und Gesprächen über Sexualität erwähnt wird. Für viele ist es ein Tabuthema. Obwohl Anorgasmie jeden treffen kann, sprechen nur wenige offen darüber, sodass Betroffene sich häufig allein gelassen und ratlos fühlen.
In diesem Artikel möchten wir daher das Thema Anorgasmie in allen Aspekten beleuchten, um die Ursachen besser verstehen zu können und Wege aus der Anorgasmie aufzuzeigen.

Anorgasmie ist weder ein Schicksal, das man einfach zu ertragen hat, noch ein Zeichen für persönliches Versagen oder eine „abnormale” Funktionsstörung. Sie kann vorübergehend oder dauerhaft sein, mit einem bestimmten Kontext oder einer bestimmten Lebensphase zusammenhängen. Zu hinterfragen und zu verstehen, was im eigenen Körper geschieht, ist ein erster Schritt, um Schuldgefühle abzulegen und mit mehr Wohlwollen gegenüber sich selbst an die eigene Sexualität herangehen.

Was ist Anorgasmie?

Wenn eine Person nach einer Phase der normalen Erregung trotz Stimulation und dem Wunsch, einen Höhepunkt zu erreichen, wiederholt nicht zum Orgasmus kommen kann, spricht man von Anorgasmie. Anorgasmie kann Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter und Vorlieben betreffen.

Anorgasmie bedeutet nicht, dass betroffene Personen gar keine Lust empfinden. Betroffene können ganz im Gegenteil starke Lust und Erregung verspüren, ohne jedoch zum Orgasmus zu kommen.

Mögliche Ursachen

  • Körperliche Ursachen: Bestimmte medizinische Ursachen wie neurologische oder hormonelle Störungen können dafür sorgen, dass eine Person keinen Orgasmus erreichen kann. Chirurgische Eingriffe im Intimbereich oder im Bereich des Beckenbodens sowie einige Erkrankungen wie Multiple Sklerose können auch eine Ursache von Anorgasmie sein.
  • Psychologische Ursachen: Auch Stress, Ängste, Traumata, Beziehungsprobleme, kulturelle Tabus oder religiöse Überzeugungen können eine Orgasmusstörung bedingen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Antidepressiva und Antipsychotika sowie Blutdruck-Medikamente, können Nebenwirkungen haben, die auf die Orgasmusfähigkeit einwirken.

Unkenntnis über den eigenen Körper, eine eingeschränkte oder von Schuldgefühlen belastete Sexualerziehung sowie unrealistische Vorstellungen von Sexualität, die durch Pornografie vermittelt werden, können den Zugang zum Orgasmus erschweren. Tatsächlich ist es schwierig, loszulassen und sich der Lust komplett hinzugeben, wenn man nicht weiß, was einem Lust bereitet, oder wenn man denkt, dass man „etwas falsch macht”.

Die unterschiedlichen Formen der Anorgasmie

  • Primäre Anorgasmie: Eine primäre Anorgasmie liegt vor, wenn die betroffene Person noch nie in ihrem Leben einen Orgasmus erlebt hat.
  • Sekundäre Anorgasmie: Personen, die bereits in der Lage waren, einen Orgasmus zu erreichen, dies aber aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr können, leiden unter einer sekundären Anorgasmie.
  • Situative Anorgasmie: Bei einer situativen Anorgasmie ist die betroffene Person in der Lage, nur in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Partnern einen Höhepunkt zu erreichen. Die Orgasmusfähigkeit kann abhängig sein von der Art der Stimulation, dem Ort oder dem Partner bzw. der Partnerin.

Sexspielzeug als Hilfsmittel

Ein Sexspielzeug ist ein wertvolles Hilfsmittel für alle, die ihren Körper besser kennenlernen, bestimmte Körperstellen gezielt stimulieren oder ein Leiden wie die Anorgasmie überwinden möchten.

Entdecken und stimulieren

Die Nutzung von Sexspielzeug ist eine einzigartige Möglichkeit, den eigenen Körper zu erkunden, bestimmte Körperstellen und erogene Zonen gezielt zu stimulieren und zu erreichen. Für viele Menschen kann die Erfahrung mit einem Sexspielzeug der erste Schritt sein, um herauszufinden, welche Stimulation ihnen wirklich Freude bereitet.

Sextoy-Empfehlungen

In einer Umgebung, in der man sich wohlfühlt, kann Sexspielzeug als echtes Werkzeug für das sensorische Lernen im erotischen Kontext eingesetzt werden. Sexspielzeug ermöglicht es, sich wieder auf Empfindungen einzulassen, mit unterschiedlichen Intensitäten zu spielen und dem Vergnügen wieder einen zentralen Platz im Leben einzuräumen - ohne den Druck, Ergebnisse erzielen zu müssen.

Vibratoren: Mit einer großen Auswahl an unterschiedlichen Modi und Intensitätsstufen sind Vibratoren in der Lage, konstant und kraftvoll zu stimulieren. Sie können zur internen und externen Stimulation, zum Beispiel der Klitoris, eingesetzt werden.​

Dildos: Für alle, die ein Sexspielzeug suchen, mit dem eine interne Stimulation ohne Vibrationen möglich ist, ist ein Dildo die richtige Wahl. Es gibt Dildos in unterschiedlichen Formen, Größen und Materialien.​

G-Punkt-Massager: Für die gezielte Stimulation des G-Punkts gibt es außerdem G-Punkt-Massager.​

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Praktische Tipps für Betroffene

Der Weg zum Orgasmus ist individuell und einzigartig. Für manche mag dieser Weg voller Hürden und Hindernisse sein, aber mit den richtigen Strategien ist es möglich, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Betroffenen möchten wir mit den folgenden Tipps aufzeigen, wie Sie vielleicht aus der Anorgasmie herausfinden können.

Den eigenen Körper besser kennenlernen: Die Selbstbefriedigung ist ein gutes Mittel, um herauszufinden, was uns erregt. Sie findet in einem geschützten Rahmen statt, sodass jede und jeder ohne Druck und Kommentare von außen herumexperimentieren kann. Je besser wir unseren eigenen Körper kennen und wissen, was uns Lust bereitet, umso besser sind wir aufgestellt, um Partnerin oder Partner mitzuteilen, auf was wir besonders stehen.

Methoden zur Entspannung und Konzentration nutzen: Nicht nur der Körper, sondern auch der Geist spielt eine wichtige Rolle in der Sexualität. Wenn wir gestresst oder abgelenkt sind, kann es für uns schwierig sein, beim Sex einen Höhepunkt zu erreichen. Folgende Entspannungstechniken können Abhilfe schaffen:

  • Atemtechniken: Atmen Sie tief ein und aus. Kommen Sie zur Ruhe und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen und auf Ihr Körperempfinden.
  • Meditation: Kurze Meditationen helfen Ihnen, den Geist zu zentrieren und keine Ablenkung von außen zuzulassen.
  • Entspannungsbad: Warmes Wasser und duftende ätherische Öle helfen dem Körper, sich zu entspannen und auf einen intimen Moment der Zweisamkeit vorzubereiten.

Vergessen Sie nicht: Sie sind nicht allein! Ob Selfcare, Entspannungstechniken oder professionelle Beratung, es gibt so viele Möglichkeiten und Wege zu Lust und Vergnügen.

Von Anorgasmie betroffen zu sein, bedeutet nicht, unter einer körperlichen Anomalie zu leiden oder für immer zu einem unerfüllten Sexleben verurteilt zu sein. Wer auf seinen Körper hört und versucht, ihn zu verstehen, wer den eigenen Empfindungen auf den Grund geht und mit verschiedenen Hilfsmitteln und Lösungswegen experimentiert – sei es auf persönlicher, zwischenmenschlicher oder professioneller Ebene – der kann zu einer erfüllten Sexualität zurückfinden.