Wie man sich am besten vor Geschlechtskrankheiten schützt

Veröffentlicht am 12. Juli 2023 und aktualisiert am 1. Oktober 2026 von Élise Virolleaud
Wie man sich am besten vor Geschlechtskrankheiten schützt

​Für einen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen gibt es nicht nur eine einzige Methode. Je nach Vorlieben und Situation lassen sich verschiedene Präventionsmaßnahmen kombinieren, um die Risiken zu verringern. Élise Virolleaud gibt einen Überblick über sexuell übertragbare Infektionen, ihre Übertragungswege und die heute verfügbaren Möglichkeiten, sich davor zu schützen.

​Sexualität ist ein fester Bestandteil des Lebens und kann einen wichtigen Beitrag zum persönlichen Wohlbefinden und zur freien Selbstentfaltung leisten. Um die eigene Sexualität in vollen Zügen genießen zu können, sollte man allerdings auch wissen, wie man diese sicher ausleben kann. In Sachen Sexualität gibt es kein „Nullrisiko“, aber eine Reihe von Präventionsmaßnahmen, die je nach den bevorzugten Praktiken, Beziehungen und Lebensumständen kombiniert werden können.

​Dieser Artikel gibt einen Überblick über die sexuell übertragbaren Infektionen (STI) – die weitaus zahlreicher sind als man meint – sowie über die bekannten und weniger bekannten Methoden, mit denen man sich davor schützen kann.​

Was sind STI?

​Eine sexuell übertragbare Infektion (STI) ist eine Geschlechtskrankheit, also eine Infektion, die beim Geschlechtsverkehr – mit oder ohne Penetration – übertragen wird.

​Bestimmte STI – wie Chlamydien-, Papillomavirus- oder Herpesinfektionen – können durch sexuellen Kontakt, durch den Austausch von Körperflüssigkeiten oder durch direkten Kontakt mit infizierten Läsionen oder Schleimhäuten übertragen werden.

​Übertragen werden STI durch Erreger – Viren, Bakterien oder Parasiten. Hepatitis B, Genitalherpes, das Humane Immundefizienzvirus (HIV) und das Humane Papillomavirus (HPV) werden von Viren übertragen. Bei Syphilis, Gonorrhö und Chlamydieninfektionen sind Bakterien der Erreger. Trichomoniasis wird durch einen Parasiten verursacht.

​Das Gefährliche daran ist, dass man sich mit einer sexuell übertragbaren Infektion anstecken kann, ohne Symptome zu haben. Man kann also infiziert und ansteckend sein, ohne es selbst zu merken und zu wissen. Deshalb ist es besser, den Begriff Infektion anstelle von Krankheit zu verwenden.

Wie STI übertragen werden

Beim Geschlechtsverkehr

​Sex ist der häufigste Übertragungsweg. STI werden beim ungeschützten vaginalen, oralen oder analen Geschlechtsverkehr übertragen. Die jeweiligen Bakterien, Viren oder Parasiten können in Körperflüssigkeiten (Sperma, Vaginalsekret, manchmal Speichel) vorhanden sein. Wenn diese Flüssigkeiten beim Geschlechtsverkehr mit den Schleimhäuten (im Genital-, Rektal- oder Mundbereich) in Kontakt kommen, verbreiten sich die Infektionserreger und stecken den Partner oder die Partnerin an.

Über das Blut

Über das Blut

​HIV sowie Hepatitis B und C können ebenfalls über das Blut übertragen werden. Zu den Risikosituationen zählen: der Kontakt mit einer offenen Wunde, die gemeinsame Nutzung von Spritzen (zum Beispiel beim intravenösen Konsum von Substanzen) sowie medizinische Eingriffe mit nicht sterilisierten Instrumenten.

Von der Mutter auf das Kind

​Bestimmte sexuell übertragbare Infektionen – HIV, Hepatitis B, Syphilis, HPV – können während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Dies wird als Mutter-Kind-Übertragung bezeichnet. Schwangeren wird daher dringend empfohlen, sich testen zu lassen.

Das Spektrum der sexuell übertragbaren Krankheiten: Wie groß ist das Risiko, sich anzustecken?

​Zu den sexuell übertragbaren Infektionen (STI) gehören Infektionen sehr unterschiedlicher Ursachen mit spezifischen Symptomen, Folgen und Untersuchungsmethoden. Wenn man diese kennt, kann man gezielt vorbeugen.

Virale STI

HIV

​HIV greift das Immunsystem an. Unbehandelt verläuft die Infektion jahrelang unbemerkt und symptomfrei. Das Virus zerstört die weißen Blutkörperchen, also die CD4-T-Lymphozyten, wodurch der Organismus geschwächt wird und Infektionen mit sogenannten opportunistischen Erkrankungen begünstigt werden. Die AIDS-Erkrankung ist das fortgeschrittene Stadium einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV).

​Die Testung auf HIV erfolgt durch eine Blutentnahme ab 6 Wochen nach einem Risikokontakt oder durch einen Schnelltest mit einem Tropfen Blut aus der Fingerkuppe, dessen optimale Zuverlässigkeit 3 Monate nach einer möglichen Exposition erreicht ist.

​HIV wird mit antiretroviralen Medikamenten behandelt (lebenslange Einnahme). Eine wirksame Behandlung sorgt dafür, dass die Viruslast nicht mehr nachweisbar ist und das Übertragungsrisiko gegen Null geht.

Herpes

​Das Herpes-simplex-Virus, auch einfach nur Herpes genannt, ist weit verbreitet. Es wird in zwei Kategorien unterteilt – HSV-1 (in der Regel verantwortlich für Lippenherpes oder Fieberbläschen) und HSV-2 (in der Regel verantwortlich für Genitalherpes), obwohl es auch ohne sichtbare Symptome übertragen werden kann, was es zu einer besonders schwer vorhersehbaren sexuell übertragbaren Infektion macht.

​Herpes ist nicht heilbar, aber eine antivirale Behandlung kann die Häufigkeit und Intensität der Schübe verringern.

Hepatitis A, B und C

​Hepatitis A, B und C sind drei verschiedene Viren mit unterschiedlichen Übertragungswegen. Hepatitis A wird vor allem fäkal-oral übertragen (unter anderem bei sexuellen Praktiken wie Rimming, auch Anilingus genannt). Hepatitis B und C werden über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen. Die Diagnose erfolgt durch eine Blutuntersuchung. Hepatitis C kann auch mittels Schnelltest nachgewiesen werden.​

​Hepatitis A heilt von selbst aus. Akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen oft ebenfalls von selbst aus, es besteht jedoch das Risiko, dass sie chronisch wird. Hepatitis C ist heute in den meisten Fällen dank neuer antiviraler Therapien heilbar.

HPV

Humane Papillomviren (HPV) sind äußerst häufige Viren, insbesondere zu Beginn des Sexuallebens, die meist auf natürliche Weise vom Körper abgebaut werden. Bleiben bestimmte Hochrisiko-Stämme jedoch bestehen, können sie für präkanzeröse Läsionen und bestimmte Krebsarten verantwortlich sein – vor allem Gebärmutterhalskrebs, aber auch Kehlkopf- und Analkrebs. Sie lassen sich durch einen zervikovaginalen Abstrich nachweisen.

​Es gibt keine direkte antivirale Behandlung. Die durch HPV verursachten Läsionen und Warzen werden gezielt behandelt.

Bakterielle STI

Chlamydien und Gonorrhö

​Chlamydien und Gonorrhö sind die häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen bei jungen Erwachsenen. Sie verlaufen sehr oft symptomfrei und haben eine sehr kurze Inkubationszeit (bereits ab 48 Stunden). Zu den Symptomen zählen Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz, Ausfluss aus dem Penis, ungewöhnlicher vaginaler Ausfluss, Unterleibsschmerzen (Schmerzen im Unterbauch und/oder im unteren Rückenbereich) sowie Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr). Die Diagnose erfolgt mittels eines PCR-Tests anhand einer lokalen Probe oder einer Urinprobe.

​Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika und führt zu einer vollständigen Heilung. Bei Gonorrhö ist jedoch Vorsicht hinsichtlich Antibiotikaresistenzen geboten.

Syphilis

Syphilis ist eine bakterielle Infektion, die in Phasen verläuft – zunächst tritt eine als Schanker bezeichnete Wunde auf, gefolgt von einem Hautausschlag und anschließend einer latenten Phase, die potenziell gefährlich sein kann, wenn sie nicht behandelt wird. Die Diagnose erfolgt serologisch mittels einer Blutuntersuchung.

​Die Krankheit wird mit Penicillin behandelt und führt zu einer vollständigen Heilung, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird.

Mycoplasma genitalium

​Mycoplasma genitalium ist ein weniger bekanntes Bakterium, auf das bei STI-Untersuchungen jedoch zunehmend getestet wird. Seine Symptome ähneln denen von Chlamydien, und der Nachweis erfolgt mittels PCR-Test.

​Die bakterielle STI wird mit Antibiotika behandelt, doch auch hier treten immer häufiger Resistenzen auf.

Parasitäre STI

Trichomoniasis

​Die Trichomoniasis ist eine häufige, oft symptomfreie parasitäre Infektion, die bei gleichzeitiger Infektion das Risiko einer Übertragung anderer sexuell übertragbarer Infektionen (wie HIV) erhöht.

​Sie wird durch eine kurze antiparasitäre Behandlung geheilt. Der oder die betroffene Partner*in muss gleichzeitig mitbehandelt werden, um eine erneute Infektion zu vermeiden.

​Diese sexuell übertragbaren Infektionen schließen sich nicht gegenseitig aus. Denn wenn man einen Risikofaktor für eine dieser Infektionen aufweist (zum Beispiel ungeschützter Geschlechtsverkehr oder mehrere Sexualpartner*innen), ist man potenziell gleichzeitig mehreren sexuell übertragbaren Infektionen ausgesetzt – daher ist eine umfassende Untersuchung sinnvoller als ein isolierter Test.

​Insgesamt lassen sich die meisten sexuell übertragbaren Infektionen gut behandeln oder sogar vollständig heilen – allerdings müssen sie rechtzeitig erkannt werden, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig sind.

Wie man sich vor STI schützen kann

​Es gibt keine einzelne Methode, die einen vollständigen Schutz vor allen sexuell übertragbaren Infektionen garantiert: Jede Methode verringert ein bestimmtes Risiko, und nur ihre Kombination – angepasst an die eigenen Sexpraktiken und Lebensumstände – ermöglicht einen wirklich wirksamen Schutz.

Mechanische Verhütungsmethoden oder Barrieremethoden

Externe Kondome

Kondome

​Externe Kondome gehören zu den wirksamsten Methoden und schützen beim Geschlechtsverkehr vor den meisten sexuell übertragbaren Infektionen. Sie bestehen aus Latex oder Polyurethan, verhindern während des Geschlechtsverkehrs jeden direkten Kontakt zwischen Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten und dienen dazu, das Sperma aufzufangen.

Interne Kondome

​Interne Kondome sind Kondome aus Nitrilkautschuk, die vor dem Geschlechtsverkehr in Vagina oder Anus eingeführt werden können. Ihre Wirkungsweise entspricht der von Kondomen.

Lecktuch oder Dental Dam

​Ein Lecktuch oder Dental Dam ist eine dünne Latexfolie, mit der die Vulva oder der Anus beim Oralsex abgedeckt werden kann. Alternativ können auch aufgeschnittene Kondome verwendet werden. Diese physische Barriere verhindert die Übertragung von sexuell übertragbaren Krankheiten.​

Früherkennung durch Tests

​Die meisten über Bakterien und Viren übertragbaren sexuellen Infektionen verlaufen anfangs symptomfrei. Das Abwarten bis zum Auftreten von Symptomen kann riskant sein und das Ansteckungsrisiko erhöhen. Jede sexuell übertragbare Infektion hat ihre eigene Zeitspanne, in der ein zuverlässiger Nachweis möglich ist – die sogenannte diagnostische Lücke liegt bei etwa 6 Wochen für HIV im Labor (3 Monate bei einem Schnelltest), bei 2 bis 3 Wochen für Chlamydien und Gonorrhö und bei 3 bis 6 Wochen für Syphilis.

​Ein Test, der zu früh nach einem Risikokontakt durchgeführt wird, kann ein falsch negatives Ergebnis liefern. Die Früherkennung spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen.

​In vielen Städten gibt es die Möglichkeit, sich anonym beraten und bei Bedarf auch kostenlos auf STI testen zu lassen, zum Beispiel im Gesundheitsamt oder bei der lokalen Aids-Hilfe.​

​Außerdem gibt es mittlerweile STI-Tests für zuhause. Allerdings ist bei Tests, die nicht im Labor untersucht werden, das Risiko für ein falsches Ergebnis erhöht. Daher empfiehlt es sich, die Testung mit ärztlicher Beratung durchführen zu lassen.

Impfung

​Es gibt wirksame Impfstoffe gegen Hepatitis A, Hepatitis B und HPV.

​Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für alle Kinder ab dem Alter von 9 Jahren bis zum Alter von 14 Jahren. Eine HPV-Impfung wird daher in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Impfung richtet sich vorrangig an Jugendliche im Alter von 9 bis 14 Jahren und erfolgt in zwei Dosen vor Beginn des Sexuallebens, da die Impfung zu diesem Zeitpunkt am wirksamsten ist. Eine Impfung nach dem 14. Lebensjahr ist jedoch auch möglich und wird von vielen Krankenkassen übernommen.

Medikamentöse Behandlung gegen HIV

​Es gibt drei medikamentenbasierte Methoden, mit denen sich die Übertragung von HIV verhindern lässt:

PrEP

​Die PrEP (Präexpositionsprophylaxe) ist eine vorbeugende Behandlung für HIV-negative Personen, die einem HIV-Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Sie ermöglicht es, das Risiko einer HIV-Infektion im Falle einer Exposition erheblich zu senken.

PEP

​Die PEP (Postexpositionsprophylaxe) ist eine Notfallbehandlung nach einer HIV-Exposition in Form einer Dreifachtherapie, die über 4 Wochen eingenommen werden muss. Sie muss innerhalb von 48 bis maximal 72 Stunden nach einem HIV-Übertragungsrisiko begonnen werden.

TasP

​Mit einer Therapie als Prävention, auch TasP genannt (aus dem Englischen: Treatment as Prevention) werden die Wirkungen der antiretroviralen Therapie bei einer HIV-positiven Person bezeichnet, die sowohl deren Lebensqualität verbessern als auch deren Lebensdauer verlängern kann (indem das Eintreten der AIDS-Erkrankung verhindert wird). Gleichzeitig kann dadurch die Übertragung auf HIV-negative Partnerinnen und Partner verhindert werden (nicht nachweisbare Viruslast = nicht übertragbare Viruslast).

​Diese drei Methoden ergänzen andere Schutzmaßnahmen.

Sextoy-Hygiene

Auch über Sexspielzeug können bestimmte sexuell übertragbare Infektionen von einer Person auf eine andere oder innerhalb derselben Person von einer Körperöffnung auf eine andere übertragen werden. Das ist insbesondere der Fall, wenn die Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich Reinigung und Kondomwechsel nicht eingehalten werden.

Kommunikation und Absprachen

​Über den eigenen HIV-Status zu kommunizieren, das Datum des letzten Tests mitzuteilen, über die Ergebnisse zu sprechen und zu erklären, welche eigenen Verhaltensweisen ein Risiko darstellen können, ist eine weitere Maßnahme zur Prävention, die oft vernachlässigt wird. Ein wohlwollender und vorurteilsfreier Umgang miteinander ist unerlässlich, damit man sich sicher genug fühlt, dem Partner oder der Partnerin den eigenen STI-Status mitzuteilen. Tatsächlich ist Serophobie – also eine Haltung der Ablehnung, Angst oder Diskriminierung gegenüber Menschen, die mit HIV leben – nach wie vor ein weit verbreitetes Phänomen, das HIV-positive Menschen Risiken aussetzen kann.

Achtung!

​Verhütungsmethoden wie die Antibabypille, das Hormonimplantat und die Spirale schützen nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.

Dieser Artikel wurde von Élise Virolleaud  verfasst, einer staatlich geprüften Pflegefachkraft, Sexualtherapeutin und Gesundheitsmediatorin. Sie unterstützt das Team von LOVE AND VIBES mit ihrer praktischen Expertise und einem pädagogischen, inklusiven und präventionsorientierten Ansatz im Bereich der sexuellen Gesundheit.

Literaturangaben