Fetischismus – gar nicht so schräg, wie man denkt!

Veröffentlicht am 22. Januar 2021 von Amandine
Fetischismus – gar nicht so schräg, wie man denkt!

Ein schummeriges rotes Licht wirft Schatten und ein herber Geruch nach Leder kitzelt in der Nase … Klingt nach BDSM? Fetische sind häufig irgendwie mit BDSM-Praktiken verknüpft, aber nicht immer! Sie sind vor allem ein fester Bestandteil unserer erotischen Gedanken und ein Querschnitt vielfältiger Praktiken, die sich ganz diskret auch in unserem Alltag breitmachen und uns ganz plötzlich in eine lustvolle Stimmung versetzen können. Vielleicht habt auch ihr den ein oder anderen Fetisch, wisst es aber noch gar nicht. Ihr versteht nur Bahnhof?

Fetischismus und Sexualität

Fetischismus wird durch Erotik geprägt, wenn durch den Anblick, die Berührung oder den Geruch eines Objekts oder eines bestimmten Körperteils oder einer Situation sexuelle Erregung ausgelöst wird.

Die sexuelle Anziehung ist sehr individuell. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und oft hört man, wie jemand sagt: „Ich stehe auf blonde Frauen, blaue Augen, große Menschen, ein hübsches Gesicht oder einen runden Hintern“. Wir sind also in der Lage, aufzulisten, was uns anmacht, und genau festzustellen, welches Körperteil oder welche Besonderheit uns am stärksten anzieht oder uns am besten gefällt. Jeder von euch hat sicher auch schon einmal gedacht: „Ich liebe ihren/seinen Geruch.“ Oder: „Dieser Hintern macht mich verrückt.“ Oder vielleicht auch: „Es macht mich total an, wenn sie im Bett die High Heels anlässt.“ Diese kleinen Dinge, die uns anmachen und erregen, meine Lieben, sind schon das, was man einen Fetisch nennt! Natürlich kommt es aber auch immer darauf an, wie stark dieser Fetisch ausgeprägt ist ;-) 

Wie kommt es, dass die sexuelle Anziehungskraft von einem Objekt anstatt von einem anderen Menschen ausgeht? Nach der Theorie des Psychologen Alfred Binet* entsteht Fetischismus durch Assoziation. Ich versuche mal, seine Theorie für euch zusammenzufassen: Ein Mann hat einen Handfetisch. Er fühlt sich zu Frauen hingezogen und mag besonders ihre Hände. Er betet diesen bestimmten Körperteil an und steht auch drauf, wenn die Frau ihre Hände mit Schmuck verschönert. Der Mann assoziiert dabei die Hände der Frau mit den Ringen, die sie trägt und schließlich kommt es dazu, dass der Mann schon beim Anblick von Ringen eine Erektion bekommt. Ups!

Fetisch in der Liebe 

Wenn man das Wort Fetisch hört, denkt man an schräge Vorlieben, aber letztlich ist doch so: Fetish is romantic! Denn am Ende ist es doch die Liebe, die uns dazu bringt, an den Zehen von unserem Partner zu knabbern oder an den Locken unserer Partnerin zu riechen! Lasst es mich erklären …

Laut der 1887 veröffentlichten Theorie von Alfred Binet kehrt man immer wieder zur ersten Liebe zurück. Er meint, dass wir uns immer davon angezogen fühlen werden, was wir schon als Kinder mochten. Die ersten großen Lieben werden unser Liebesleben und unsere Vorlieben für immer bestimmen. Wenn ihr zum Beispiel schon als Kind mochtet, wenn eure Tante ein rotes Kleid trug, dann werdet ihr wahrscheinlich auch im Erwachsenenleben auf die Farbe Rot abfahren. Aber keine Sorge: Wir sagen es nicht weiter!

Lasst mich kurz zusammenfassen: Unsere Vorlieben in der Liebe sind eigentlich ganz natürlich. Jeder hat das Recht, auf seine Weise zu gehen, zu denken, zu atmen und zu lieben. Und unter diesen Vorlieben, die so individuell sind, gibt es solche, über die wir offen sprechen können und die, die so intim sind, dass wir sie ganz tief in unserem Herzen vergraben

Eine Frage der Einstellung

Wenn wir Fetisch hören, denken wir alle sofort an den klassischen Fußfetischisten, der im ganzen Viertel als verrückt gilt und problemlos vor dem Schaufenster eines Schuhgeschäfts masturbieren würde. Dieser Fetisch ist zwar weit verbreitet und wahrscheinlich eher einer der sinnlicheren Fetische, aber es ist lange nicht der einzige. Auch Po, Brüste oder Bauchnabel zählen zu den Klassikern unter den Fetischen. Andere sind eher auf Details aus und stehen auf ein bestimmtes Timbre einer Stimme, eine Haarfarbe, eine Brille und alles andere, was die Gedanken vor Erotik prickeln lässt!

Abgesehen von Gegenständen und Körperteilen kann man auch einen Fetisch in Bezug auf eine Einstellung oder ein Verhalten entwickeln. So steht vielleicht einer von euch auf besonders lässige oder unanständige oder elegante Menschen. Wenn diese stereotypen Verhaltensweisen in einem Rollenspiel aufgegriffen werden und Fetisch und BDSM sich treffen, dann wird es erst richtig spannend! Mit Inszenierungen und Rollenspielen  werden soziale Codes überschritten und das Unerreichbare erreicht. So kann der Uniformfetischist sich eine Hostess im Minirock in sein Wohnzimmer holen und sie mit einem Klaps auf den Po fragen, ob sie diejenige ist, die das Dessert servieren wird!

You smell so good

Sein oder ihr Geruch ist wie eine Droge, die man am besten in der Halskuhle tief einsaugt. Allerdings hätte er/sie dich nicht ohne die Hilfe von Mutter Natur verführt, die den süßen Duft mit einer sanften Brise direkt in deine Nase geweht hat! Für den Geruchsfetischisten sind Düfte das Verführungskriterium Nummer 1! Wir nennen ihn den Geruchsliebhaber und er ist sehr charmant.

Natürlich sind bestimmte Fetische je nach Kultur mehr oder weniger toleriert. So ist bei der indigenen Bevölkerung auf den Philippinen der Geruch einer geliebten Person ein Trigger für intensive Lustgefühle. Deswegen tauschen Liebende zum Abschied dort Wäschestücke aus, die sie tragen, und an denen Sie während der Zeit der Trennung den Geruch der geliebten Person einatmen. 

Seidig weich, glatt und warm

Was ist der Zusammenhang zwischen Seide, Latex, Leder und Samt? Natürlich die Weichheit der Materialien, die sanft über die Haut gleiten und sich so angenehm anfühlen. Für den Fetischist darf es etwas mehr sein. Darum schafft er sich ein ganz eigenes Modeuniversum mit enganliegenden Hosen und Lederanzug. Der Fetischist hat natürlich einen sehr erlesenen Geschmack, was auch die großen Designer wissen. So hat Dior in Zusammenarbeit mit Housse of Harlot im Jahr 2011 eine spektakuläre Kollektion nur aus Latex herausgebracht!

  • Noch auf der Suche nach Stylingideen für dein neues Fetisch-Outfit? Inspiration gibt es in dem Werk Psychopathia Sexualis, in dem die Materialien und Gegenstände aufgelistet werden, die im Fetischismus eine Rolle spielen.

Bizarre is normal

Fetischismus ist also nichts anderes als ganz gewöhnliche Vorlieben in der übertriebenen Variante. Fetischismus in Maßen ist super, wenn ihr in der Lage seid, eure erotischen Fantasien anzunehmen und auszuleben. Wenn es euch also glücklich macht, Füße zu lecken (wie der berühmte Regisseur Tarantino), dann sucht euch doch einfach einen Partner, dem das auch gefällt. Jeder darf auf seine Art lieben! Seid offen und tolerant mit euren eigenen Macken. Irgendwo gibt es jemand, der das super sexy findet! 

Ich freue mich, wenn ihr mir dazu etwas zu erzählen habt!

Eure Amandine (die sanft an eurem Ohrläppchen knabbert)