Ein Kuss ist ein Kuss ist ein Kuss? Das stimmt nicht ganz. Ein kleines Detail kann einen Kuss völlig verändern. Jedes Jahr am 6. Juli begehen wir den Weltkusstag. Das ist die Gelegenheit, sich mit dem Küssen als zärtlicher, sinnlicher und universeller Geste auseinanderzusetzen. Und unter den vielen kleinen Fragen rund um die Kunst des Küssens gibt es eine, die öfter auftaucht: Sollte man mit offenen oder geschlossenen Augen küssen?
Hinter dieser simplen Frage verbirgt sich in Wirklichkeit eine ganze Welt aus Empfindungen, Reflexen und ganz persönlichen Vorlieben. Manche Menschen schließen beim Küssen die Augen, ohne darüber nachzudenken. Andere lassen die Augen gerne einen Spalt breit offen, sei es auch nur für einen Augenblick, um ein Lächeln oder eine Reaktion des Gegenübers einzufangen.
Und dazwischen gibt es alle möglichen Nuancen. Denn ein Kuss ist nie nur eine simple Geste. Er ist eine Stimmung. Eine Absicht. Ein Weg, eine Verbindung zueinander herzustellen.
Mit geschlossenen Augen küssen: ein natürlicher Reflex
Für viele ist es fast ein Automatismus,
beim Küssen
die Augen zu schließen.
Das ist keine bewusste Entscheidung, sondern eher ein Reflex. Sobald sich der andere nähert, der Kontakt entsteht und sich die Aufmerksamkeit auf die Empfindungen richtet, schließen sich die Augenlider sozusagen wie von selbst.
Und diese Reaktion ist gar nicht so verwunderlich.
Die Augen zu schließen ermöglicht es, sich vom Rest abzuschotten, die Umgebung für einen Moment verschwinden zu lassen, um sich besser auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Wärme, die Zärtlichkeit, den gemeinsamen Rhythmus, die Nähe.
Kurz gesagt: Man spürt mehr, weil man weniger beobachtet.
Es hat auch etwas sehr Beruhigendes an sich. Die Augen zu schließen bedeutet oft, sich fallen zu lassen, die Kontrolle loszulassen und sich ganz auf den Moment einzulassen, ohne ihn analysieren zu wollen.
Wahrscheinlich ist das der Grund, warum das Küssen mit geschlossenen Augen für viele nach wie vor die spontanste Art zu Küssen ist: Denn dadurch wird man sofort in einen intimeren, zärtlicheren und manchmal auch intensiveren Zustand versetzt.
Mit offenen Augen küssen: überraschend aber nicht selten
Umgekehrt mag es etwas ungewöhnlich erscheinen, beim Küssen die Augen offen zu halten. Viele empfinden dies als komisch, unbeholfen oder sogar leicht peinlich. Dennoch ist es keine Seltenheit. In manchen Situationen kann es sogar besonders aufregend sein.
Denn wenn man die Augen offen lässt, selbst wenn sie halb geschlossen sind, verändert sich die Art des Kusses.
Man spürt nicht nur: Man sieht auch.
Und dieses kleine Detail kann die Spannung zwischen den Küssenden verstärken. Das Gegenüber aus nächster Nähe zu sehen, den Gesichtsausdruck zu erfassen, ein dezentes Lächeln, einen Blick, der den eigenen trifft … all das kann dem Moment eine ganz andere Intensität verleihen.
Die leicht geöffneten Augen machen den Kuss vielleicht etwas weniger romantisch, aber dafür umso elektrisierender.
Dadurch bekommt der Kuss außerdem eine ganz andere Ebene, die geprägt ist von mehr Präsenz, mehr Spiel und mehr unmittelbarer Verbindung zueinander.
Mit offenen Augen zu küssen ist keine kühlere Art zu küssen. Es ist einfach eine andere Art, den Moment zu erleben.
Küssen je nach Stimmung, Laune und Gegenüber
Die Wahrheit ist, dass es beim Küssen kein Richtig oder Falsch gibt. Ob man die Augen nun offen oder geschlossen hält, hängt oft vom Kontext ab.
Ein zärtlicher, ruhiger, inniger Kuss lädt eher dazu ein, die Augen währenddessen zu schließen. Ein verspielter, sinnlicherer oder spannungsgeladener Kuss kann hingegen dazu führen, dass man die Augen dabei lieber öffnet.
Außerdem kann es auch von folgenden Faktoren abhängen:
- dem Maß an Vertrauen
- dem Grad der Vertrautheit
- der Emotion des Augenblicks
- dem Wunsch, sich ganz gehen zu lassen … oder im Gegenteil, alles genau im Blick behalten zu wollen
Manche Menschen versinken gerne voll und ganz in ihren Empfindungen. Andere lieben es, die Reaktionen des Gegenübers zu beobachten und auch im Blick des Gegenübers zu sehen, was in ihm oder ihr gerade vor sich geht.
Und viele wechseln zwischen beidem hin und her, ohne es überhaupt zu merken.
Im Grunde sagt dieses kleine Detail vor allem eines aus: Ein Kuss ist niemals statisch. Er verändert sich mit dem Verlangen, mit der Stimmung, mit der Beziehung.
Der beste Kuss ist nicht unbedingt der perfekte Kuss
Oft spricht man vom Küssen so, als ob es eine, und zwar nur die eine, richtige Technik gäbe.
Der richtige Winkel.
Das perfekte Timing.
Die optimale Intensität.
Und beinahe auch … die richtige Position der Augen.
Aber die Küsse, an die man sich wirklich erinnert, sind nicht immer die, die man besonders gut unter Kontrolle hat. Oft sind es die “lebendigsten” Küsse, die für immer in Erinnerung bleiben.
Die ein Lächeln hervorgerufen haben.
Die überrascht haben.
Die erst zögerlich und dann ganz offensichtlich genau richtig waren.
Die nicht perfekt sein sollten, aber ehrlich.
Wenn man es unbedingt richtig machen will, läuft man manchmal Gefahr, den perfekten Kussmoment zu verpassen. Doch genau darin liegt der Reiz eines Kusses: in seiner Spontaneität, seiner Verwirrung, seiner Unvorhersehbarkeit. Ein gelungener Kuss ist nicht unbedingt der, der einem bestimmten Schema folgt. Es ist der, der sich einfach richtig anfühlt.
Weltkusstag am 6. Juli: die Gelegenheit, das Küssen neu für sich zu entdecken
Der Weltkusstag ist der perfekte Anlass, wieder den Fokus auf das Küssen zu legen.
Nicht nur als automatische Handlung.
Nicht nur als Vorspiel.
Sondern als einen eigenständigen Moment.
Es ist auch eine gute Gelegenheit, die einfachen Dinge dabei wahrzunehmen:
- Schließen wir die Augen, ohne darüber nachzudenken?
- Lieben wir es, den Blick des Gegenübers einen Moment lang zu halten?
- Bevorzugen wir eher die langsamen, neckischen, zärtlichen oder eher die intensiven Küsse?
Es geht nicht darum, daraus einen Persönlichkeitstest zu machen. Es geht nur darum, einer Geste, die wir manchmal ganz automatisch ausführen, wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken … weil uns ein guter Kuss immer wieder neu überraschen kann.
Wie sieht es also aus: Sollte man lieber mit offenen oder geschlossenen Augen küssen? Die Antwort ist wahrscheinlich viel einfacher, als man denkt: Am besten küsst man einfach nach Gefühl.
Die Augen zu schließen hilft oft dabei, sich den eigenen Empfindungen besser hinzugeben. Sie offen zu halten kann die Verbindung zum Gegenüber intensivieren und eine herrlich aufregende Spannung erzeugen.
Keine Option ist besser als die andere. Sie stehen einfach für zwei verschiedene Arten, denselben Moment zu erleben.
An diesem Weltkusstag ist es vielleicht gar nicht so wichtig, nach der richtigen Methode zu suchen, sondern vielmehr die Freude am Küssen wiederzuentdecken – mit Achtsamkeit, Neugier und Lust.