Ein Orgasmus um jeden Preis?

Veröffentlicht am 25. Oktober 2019 von Lisa

Für manche ist der Orgasmus eine Art Heiliger Gral, der unbedingt und immer beim Sex zu erreichen ist. Dabei ist es gar nicht so einfach, einen Höhepunkt zu erreichen. Und nicht immer ist der Orgasmus nur mit sexueller Lust verbunden.

Viele Menschen erleben nur selten einen Orgasmus. Gründe dafür gibt es viele, zum Beispiel die unzureichende Kenntnis des eigenen Körpers, Druck vonseiten des Partners oder einfach nicht die richtigen Sexualpraktiken. 

Der positive Orgasmus – Mythos oder Realität?

Für viele Männer ist es ein Beweis ihrer sexuellen Leistungsfähigkeit, ihre Partnerin zum Orgasmus zu bringen. Der sexuelle Höhepunkt wird als etwas ausschließlich Positives angesehen. Dabei wird das nicht von allen so empfunden. Es ist nämlich durchaus möglich, zu kommen, ohne dabei Lust zu erleben! Einer Studie zufolge, die von kanadischen und amerikanischen Forschern durchgeführt wurde, kann ein sexueller Höhepunkt auch als eine sehr negative Erfahrung erlebt werden. Von den 726 freiwilligen Teilnehmern der Studie berichteten 289 Personen, dass sie schon einmal dazu „gezwungen“ wurden, einen Höhepunkt zu erreichen, sei es um einen Streit zu vermeiden oder um das Ego des Partners nicht zu verletzen. 

Die Libido – unterschiedliche Erfahrungen

Anstatt den Orgasmus als ultimatives Ziel von Sex und ausgetauschten Zärtlichkeiten zu verstehen, ist es viel wichtiger, auf den eigenen Körper und die eigene Lust zu hören. In Bezug auf die eigene Libido sind wir jedoch alle unterschiedlich. Je nach Stimmung kann es bei den einen häufiger dazu kommen, dass sie keine Lust auf Sex haben, als bei den anderen. Müdigkeit, Stress oder Kopfschmerzen müssen in diesen Fällen oft als Gründe herhalten. Zu den Unterschieden bei der Libido haben norwegische Forscher eine Studie durchgeführt. Sie haben etwa hundert heterosexuelle Paare im Alter von 19 bis 30 Jahren befragt, die mindestens einen Monat zusammen waren. Diejenigen, die am meisten Sex miteinander hatten, waren die Paare mit einer höheren Soziosexualität. Das heißt, diese Paare waren eher dazu bereit, ohne Verpflichtungen oder romantische Gefühle Sex zu haben. Daraus wird geschlossen, dass die Fähigkeit, Sex und Emotionen voneinander zu trennen, dazu führt, dass einige Menschen eine größere Libido haben als andere und damit häufiger Lust auf Sex haben als andere. 

Orgasmus: 8 von 10 Frauen erreichen bei der Penetration keinen Orgasmus

Der sexuelle Höhepunkt ist keine automatische Konsequenz von Sex. Einer französischen Studie aus dem Jahr 2004 zufolge erreichen nur 18% der Frauen bei der Penetration einen Orgasmus. Nun stellt sich natürlich die Frage: Was ist mit den anderen 82%?

Glücklicherweise kann gesagt werden, dass Sex nicht nur Penetration bedeutet. Zeigen Sie Ihrem Partner die Mysterien des weiblichen Körpers! Denn für Frauen gibt es so viele Möglichkeiten, die weibliche Lust auszuleben, zum Beispiel die Stimulation der Klitoris, Streicheleinheiten, erotische Massagen, Dirty Talk … Zeigen Sie sich von Ihrer kreativen und einfallsreichen Seite und reden Sie darüber, was Ihnen gefällt und was Ihnen nicht gefällt. 

Auch die Selbstbefriedigung spielt eine wichtige Rolle. Sie hilft Ihnen dabei, herauszufinden, auf was Sie stehen. Bei Frauen ist die Masturbation nicht so stark verbreitet, wie bei Männern. Während 95% bis 99% der Männer regelmäßig masturbieren, praktizieren nur etwa 40% der Frauen die Selbstbefriedigung. 

Orgasmus und Fruchtbarkeit

Abgesehen von der Lust, die ein Orgasmus Ihnen bereitet, wirkt er sich auch positiv auf die weibliche Fruchtbarkeit aus. Der irische Psychologieprofessor Dr. Robert King zeigt in seinem Werk den Zusammenhang zwischen dem weiblichen Orgasmus und der Fruchtbarkeit auf. Demnach steigert ein Höhepunkt die Chancen einer Schwangerschaft um 15%. Für seine Studie hat er sechs Frauen im Alter von 26 bis 32 Jahren darum gebeten, die Anzahl der Orgasmen zu notieren, die diese Frauen bei der Nutzung eines Vibrators hatten, der mit einem spermaähnlichen Gleitgel befüllt war. Anschließend wurde gemessen, inwiefern der Uterus der Frauen in der Lage war, das Sperma-Gleitgel (mit oder ohne Orgasmus) in sich zu behalten. Aus den Untersuchungsergebnissen schloss Dr. Robert King, dass eine Frau, die einen Höhepunkt erreicht, bis zu 15% mehr Samenflüssigkeit im Uterus behalten kann, wodurch die Chancen einer Schwangerschaft steigen. 

Auch Oxytocin, das Hormon, das beim Orgasmus ausgestoßen wird, auch Glückshormon genannt, soll in Bezug auf die Fruchtbarkeit eine wichtige Rolle spielen. Es sorgt mit dafür, dass das männliche Sperma in Richtung der Eileiter gelangt und hat somit einen Einfluss auf die Fertilität. 

Auch wenn die Ärzteschaft noch nicht ganz davon überzeugt ist, gibt es immer mehr Spezialisten, die der Ansicht sind, dass der weibliche Orgasmus bei der Empfängnis eine Rolle spielt. Einige glauben außerdem, dass Frauen beim Erreichen des Höhepunkts sehr gut Stress abbauen können, der sich wiederum negativ auf die weibliche Fruchtbarkeit auswirken kann.