Die Japaner und der Sex

Veröffentlicht am 9. Mai 2019 von Lisa

Japan ist einfach ein faszinierendes Land. Das gilt für alle Ebenen. Deswegen ist Japan auch derzeit als Reiseziel so beliebt. Die wunderschönen Sandstrände, die schwindelerregenden Wolkenkratzer, die zahlreichen Traditionen und das leckere Essen verzaubern jedes Jahr eine Vielzahl an Reisenden. Im Ausland ist Japan aber auch für etwas anderes bekannt, nämlich für Pornographie in den unterschiedlichsten Spielarten und für Sexspielzeuge aller Art. Erstaunlich, dass die Sexindustrie in Japan nach Elektronik an zweiter Stelle steht und die Japaner nach außen hin so zurückhaltend wirken. Und dass die Gesellschaft Japans veraltet. Sexualität und Fortpflanzung scheinen bei der jungen Generation keine Priorität zu sein. Wir haben nachgeforscht!

Die japanische Bevölkerung schrumpft

Das Problem der alternden Gesellschaft

Japan ist ein Land, in dem die Menschen immer älter werden und nur wenige Geburten die Alterspyramide umkehren. Einer Studie zufolge gibt es in Japan mehr Menschen über 75 als Menschen unter 15 Jahren. Dadurch entsteht eine Art Fortpflanzungsdruck auf die Dreißigjährigen, die sich derzeit offenbar nicht gerne binden möchten. Und das wiederum gefährdet langfristig den Fortbestand der japanischen Bevölkerung.

Das sagen die Zahlen

In Japan gibt es derzeit nämlich mehr Todesfälle als Geburten. Und die Wachstumskurve der japanischen Bevölkerung sinkt und sinkt und sinkt… Im Januar 2018 gab es 1,23 Millionen 20-jährige Japaner. Im Jahr 1994 lag diese Zahl noch bei 2,07 Millionen. Und 2017 wurden in Japan 941000 Geburten gezählt. Im Vergleich zu 2016 ist diese Zahl um 36000 gesunken. Dabei handelt es sich um die niedrigste Geburtenrate seit 1899.

So geht es weiter

Schätzungen zufolge gibt es 2065 in Japan nur noch eine Gesamtbevölkerung von 88 Millionen Menschen. 2015 lagen diese Zahlen noch bei 126 Millionen Menschen. Dasselbe Institut hatte 2008 vorausgesagt, dass im Jahr 3000 die Bevölkerung in Japan bei 0 liegt, also gar nicht mehr existiert.

Mögen die Japaner keinen Sex?

Die Zahlen sind nicht sehr ermutigend. Daher hat sich auch die Universität Tokio mit dem Thema beschäftigt und Zahlen zu Fortpflanzung und Sex in Japan ausgewertet. In den Jahren zwischen 1987 und 2015 hatte ein Zehntel der 30-jährigen Japaner noch nie Geschlechtsverkehr. Die Anzahl der Japaner ohne sexuelle Erfahrungen ist also sehr hoch. Im Vergleich zu anderen Ländern haben die Japaner im Allgemeinen eher spät den ersten Geschlechtsverkehr. Einige sind sogar echte Spätzünder, die erst in den Vierzigern zum ersten Mal Sex haben. Die Zahlen sind eindeutig: 44% der Japanerinnen und 42% der Japaner zwischen 18 und 34 Jahren sind noch Jungfrau und 64% der Japaner sind Single. Diese Zahlen zeigen ganz deutlich, dass die Japaner sich nicht sehr stark für Sex interessieren. Und das spiegelt sich natürlich auch in der Geburtenrate wider.

Japan ist ein Land, in dem die Menschen nicht häufig Sex haben. Das merkt natürlich auch die Kondomindustrie. Der Hersteller Durex hat einen Vergleich zwischen Japan und Frankreich angestellt. Ein durchschnittlicher Japaner hat 48 Mal Sex pro Jahr. Ein durchschnittlicher Franzose hat mit 120 Mal Sex pro Jahr mehr als doppelt so viel Sex!

Keine Lust auf Sex – Warum?

Die japanische Gesellschaft hat wie oben bereits gesagt eine rückläufige Geburtenrate. Die Veralterung der Gesellschaft nimmt zu und das Problem wird immer dringender. Woran liegt es aber, dass die Japaner keine Lust auf Sex und auf Fortpflanzung haben?

Fehlendes Selbstvertrauen

Japan ist ein Land, das sehr stark von Traditionen geprägt ist. Frauen machen dort sehr selten den ersten Schritt. Die japanischen Männer sind zum Teil stark eingeschüchtert. Viele japanische Männer unter 40 Jahren haben Angst vor einem Korb und trauen sich daher nicht, auf die Frauen zuzugehen. Das Problem mit dem fehlenden Selbstvertrauen ist allgegenwärtig und hindert die Japaner daran, eine Paarbeziehung einzugehen und aufzubauen. Interkulturell gesehen ist es für einen Japaner sehr schwierig, seine Gefühle offen zu zeigen. Und angesichts des großen Angebots an pornografischen Inhalten, die ganz diskret konsumiert werden können, ist eine Lösung des Problems nicht in Sicht.

Keine Zeit für die Liebe

Es ist kein Geheimnis: Japan ist dafür bekannt, ein Land zu sein, in dem Arbeit eine wichtige Rolle spielt und sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Das kann man zum Beispiel an der Anzahl der Urlaubstage sehen, die ein durchschnittlicher Japaner pro Jahr zur Verfügung hat: Von den 18 Tagen nimmt ein gewissenhafter Japaner manchmal nur einen Teil! Für einen Arbeitnehmer aus unseren Breiten undenkbar: Anlässlich der Thronbesteigung durch den neuen Kaiser wurden allen Japanern zehn zusätzliche Urlaubstage gewährt. Viele können mit diesem großzügigen Geschenk aber nichts anfangen. Die Japaner sind es einfach nicht gewohnt, für einen längeren Zeitraum in Urlaub zu fahren. Einige geben zu, dass sie gar nicht wissen, was sie während der Urlaubstage mit der vielen freien Zeit anfangen sollen. All das zeigt ganz deutlich, wie wichtig den Japanern die Arbeit ist. Der alltägliche Rhythmus aus U-Bahn, Arbeit, Schlafen gibt dem Leben eine gewisse Ordnung. Viel Freiraum bleibt allerdings nicht, um sich der Partnerschaft oder dem Sex zu widmen.

Japanische Pornos und Sextoys für alle

Sie sehen also, dass sich die Japaner mit dem Sex etwas schwertun. Was Pornos angeht, sieht die Sache aber schon wieder etwas anders aus. Das große Angebot an erotischen Videos und Filmen eröffnet den Japanern zahlreiche Möglichkeiten für die sexuelle Stimulation und Selbstbefriedigung. Der japanische Porno ist sehr vielschichtig. Ein wichtiger Bestandteil sind zum Beispiel die japanischen Hentais, in dem sexy Manga-Mädchen die Hauptrolle spielen. Es gibt aber auch zahlreiche andere Filme mit japanischen Pornstars, mit denen die Japaner ihre sexuellen Wünsche und Fantasien im Verborgenen ausleben können.

Was die Selbstbefriedigung angeht, muss noch ein anderes Thema angesprochen werden. Sextoys und Sexshops sind in Japan weit verbreitet. In der Vielzahl an Erotikshops können die Japaner unter zahlreichen unterschiedlichen Sexspielzeugen wählen. Es gibt sogar Vibrator-Bars! Wie das funktioniert? Sie wählen für eine bestimmte Summe (etwa 3000 Yen, das entspricht ungefähr 27 Euro) einen von mehreren hundert angebotenen Vibratoren aus und lassen es sich dann damit gutgehen. Wenn für Sie Anonymität und Diskretion beim Sextoy-Kauf wichtig ist, dann können Sie Ihr Sexspielzeug in Japan auch am Automaten ziehen. Wenn Sie sich nicht trauen, in einen Sexshop zu gehen oder Ihr Sexspielzeug online zu bestellen, dann sind die Sextoy-Automaten eine tolle Alternative.

Das Otaku-Syndrom

Der Begriff Otaku steht in Japan dafür, dass man sich zuhause aufhält und nicht viel Kontakt zur Außenwelt pflegt. Ein Großteil der zuhause verbrachten Zeit wird Mangas, Filmen und Zeichentrickfilmen gewidmet. Dieses Abschotten von der Außenwelt ist in Japan nicht gern gesehen und hat einen leicht negativen Touch.

Die Japaner, die nicht viel Freizeit außerhalb der eigenen vier Wände verbringen, haben natürlich auch nicht viele soziale Kontakte und noch weniger eine Partnerschaft. Sex spielt für diese Menschen also keine große Rolle.

Hinzu kommt, dass in Japan eher Distanz gewahrt wird. In der Öffentlichkeit wird sich nicht umarmt. Mädchen und Jungs gehen getrennt voneinander aus und sind nicht in gemischten Freundeskreisen unterwegs. All das macht es für die Japaner nicht einfacher, aufeinander zuzugehen und neue Kontakte zu knüpfen.

Realistische Sexpuppen als Partnerersatz

Liebespuppen gehören in Japan mit dazu. In kürzester Zeit hat sich dieses Phänomen entwickelt, das heute eine ganze Gesellschaft prägt. Die Auswahl der auf dem Markt vorhandenen Love Dolls ist riesengroß. Neben den gewöhnlichen aufblasbaren Liebespuppen finden Sie in Japan auch sehr häufig Silikonsexpuppen mit einem besonders lebensechten Aussehen. Diese Vollkörperpuppen sind so realistisch, dass sie für viele einen echten Ersatz für eine Partnerin darstellen.

Die Verwendung einer Sex Doll als Partnerersatz wird natürlich auch kritisch gesehen. Anthropologen zufolge handelt es sich dabei um eine Art nostalgische Verherrlichung der eigenen Kindheit. Die französische Japan-Spezialistin Agnès Giard erklärt, dass der Kauf einer echt aussehenden Sexpuppe aus Silikon häufig ein Zeichen für Machtlosigkeit und Wut darstellt. Gleichzeitig zeigt es den Widerspruch zum vorherrschenden Erfolgsmodell.

Angesichts der hohen Preise, die auf dem Markt für die sehr realistischen Liebespuppen aus Silikon verlangt werden, könnte man sich fragen, warum die Japaner bereit sind, eine solch große Summe in eine Love Doll zu investieren. Der wichtigste Grund ist sicherlich die Gesellschaft. Die Sexpuppe erfüllt durch ihre stumme Anwesenheit den Bedarf nach Nähe und Zweisamkeit. Die Erfüllung der körperlichen Bedürfnisse, also der Sex mit der Sexpuppe, kommt erst danach. Mit den Sexpuppen aus Silikon, die in Japan verkauft werden, kann der japanische Mann vor allem die fehlende Zuneigung und Nähe in seinem Leben ausgleichen. Einige Männer beschreiben es als Liebe auf den ersten Blick. Daher werden die Silikonpuppen häufig auch nicht in erster Linie als Sexobjekt gesehen, sondern als Lebewesen mit einer eigenen Seele.

Die Liebespuppe ist übrigens nicht unbedingt ein Sextoy für Singles. Viele verheiratete Männer oder Männer in einer festen Beziehung haben in Japan auch eine Sexpuppe. Einige Frauen akzeptieren sogar die stumme Affäre ihres Partners.

Etwa 2000 Silikonsexpuppen werden jährlich in Japan verkauft. Der Preis liegt bei etwa 5300 Euro pro Sexpuppe. Der Erfolg der Sextoys könnte allerdings negative Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung in Japan haben und ist weiter zu beobachten.

Der Sexismus in der japanischen Gesellschaft

Die Rollenverteilung in der japanischen Gesellschaft ist auch heute noch eher von einem klassischen Bild geprägt: Der Mann arbeitet und die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder. Eine echte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist auch in Japan nicht vorhanden. Das traditionelle Rollenbild ist in den japanischen Köpfen noch fest verankert. Das zeigt sich sowohl auf beruflicher als auch auf persönlicher Ebene. Ein Beispiel: 90% der japanischen Studentinnen der Geisteswissenschaften arbeiten nach Abschluss des Studiums. Nach der Hochzeit und dem ersten bzw. zweiten Kind sehen sich diese Frauen allerdings gezwungen, die Arbeit aufzugeben und sich um die Familie und den Haushalt zu kümmern. Möchte eine Japanerin das ganze Leben über arbeiten, muss eine Hochzeit theoretisch ausgeschlossen werden. In Europa oder in den Vereinigten Staaten von Amerika wäre es undenkbar, mehrere Jahre zu studieren und anschließend gar nicht in dem erlernten Beruf zu arbeiten. In Japan ist dies allerdings gang und gäbe.

Das Love Hotel – ein Ort der Liebe nur für Paare

Nach den vielen Negativbeispielen möchten wir zum Schluss ein positives Zeichen setzen. Denn in Japan gibt es auch gute Ideen!

Das Konzept des Love Hotels ist in unseren Breiten recht unbekannt. Dabei geht es um ein Hotel für Paare, die für eine Nacht oder eine Stunde ein Zimmer brauchen, um ungestörte Zweisamkeit genießen zu können. In Japan ist diese Form des Stundenhotels total normal und geläufig.

Anfangs richtete sich das Love Hotel vor allem an Paare, die in sehr kleinen Wohnungen oder Häusern leben und dort vielleicht sogar ihr Schlafzimmer mit anderen Familienmitgliedern oder den eigenen Kindern teilen müssen. Viele Japaner leben aus den unterschiedlichsten Gründen im Erwachsenenalter noch zuhause. Dort gibt es einfach zu wenige Möglichkeiten, um intim zu werden und ungestörten Sex zu haben.

Natürlich hat das Love Hotel noch einen weiteren Vorzug für die Kunden: In einem anonymen Hotelzimmer können Sie Ihre sexuellen Fantasien besser ausleben, als im eigenen Schlafzimmer. Manche Love Hotels bieten den Kunden dazu verschiedene Zimmer an. Sie stehen auf Bondage und Fesselspiele? Oder haben es gerne, wenn Sie sich beim Sex im Spiegel beobachten können? Oder sind Sie ein Manga-Fan, der auch im Schlafzimmer nicht auf die heißen Hentai-Mädchen verzichten kann? Dann suchen Sie sich das Love Hotel aus, das am besten zu Ihren erotischen Wunschträumen passt.

In vielen japanischen Stundenhotels finden Sie eine Reihe an unterschiedlichsten Accessoires, um die kurze Zeit zu zweit noch besser nutzen zu können. Das kann eine Tube Gleitgel sein oder ein paar Handschellen mit einer passenden Augenbinde. Vielleicht finden Sie auch ein paar Accessoires, um sich zu verkleiden oder Massageöle für eine erotische Partnermassage.

Um die Anonymität und die Diskretion zu wahren sind die meisten Love Hotels mit einer automatischen Rezeption ausgestattet. Die Reservierung wird an einem Automaten vorgenommen, an dem Sie Ihr Zimmer mit der passenden Ausstattung wählen und bezahlen können, ohne dabei auf eine andere Person zu treffen.

Für die Olympischen Spiele 2020, die in Tokio stattfinden sollen übrigens einige dieser Stundenhotels in richtige Hotels umgewandelt werden, um dem großen Ansturm an Touristen gerecht zu werden. Bis 2025 möchte die Regierung außerdem Maßnahmen ergreifen, um dem Bevölkerungssterben in Japan entgegenzutreten.